Aus dem Leben, Familie, Glücksfamilie
Schreibe einen Kommentar

Familienzuwachs ² – Was sich für uns änderte

Familienzuwachs - Wie sich unser Leben veränderte

Ein Baby kommt auf die Welt. Alle sind entzückt. Die Großeltern verzaubert, die Eltern verliebt und das Geschwisterkind…? Ja was ist eigentlich mit dem Geschwisterkind. In den meisten Fällen hört man davon, dass auch diese den Familienzuwachs mit Liebe überschütten. Ihn mit offenen Armen empfangen, den Platz in der Familie freihalten und sich rührend kümmern. Plötzlich zu viert. Das hieß es für uns Mitte diesen Jahres auch. Nach unserer Tochter bekamen wir nun unser zweites Kind. Unseren Sohn. Und wie sich unser Familenleben veränderte, das möchte ich erzählen.

Die Vorbereitung

Dass der Familienzuwachs nicht immer so unproblematisch aufgenommen wird, das war mir klar. Gerade deswegen versuchte ich unsere Tochter so gut wie möglich auf ihren Bruder vorzubreiten. Während der gesamten Schwangerschaft und der Geburtsvorbereitung war sie involviert. Gefühlt hatten wir ausführlich über die Schwangerschaft, Geburt und ihren zukünftigen Bruder gesprochen. Hatten sie aktiv teilhaben lassen. Ängste begleitet und Freude geschürt. Trotzdem hatte unsere Große, nach der Ankunft ihres Bruders, arg zu kämpfen.

Das Baby ist da

Das erste Kennenlernen der beiden war das Schönste was ich bisher erleben durfte. Die Maus strahlte, verteilte Küsschen und freute sich sichtlich. Sie war stets vorsichtig im Umgang mit ihrem Bruder. An ihm lies sie ihre Unsicherheit, ihre Ängste und Sorgen nie aus. Aber wir Eltern bekamen diese umso mehr zu spüren.

Bereits ein paar Tage nach der Geburt machte sich diese Unsicherheit während des Zubettgeh Rituals bemerkbar. Ihr viel es schwer sich vom Tag zu verabschieden. Sie tobte und bekam einen Wutanfall nach dem anderen. Tag für Tag, Abend für Abend. Wir begleiteten ihre Gefühle und wollten die Situation so empatisch wie möglich begleiten. Es war hart. Man merkte ihr an, dass sie ihren Platz in der Familie verloren hatte. Das sie mit dem Familienzuwachs nicht mehr wusste wo sie hingehörte. Ob Mama und Papa sie noch genau so liebten oder der neue Bruder nun all die Aufmerksamkeit und Liebe erhält.

Sie forderte unheimlich viel Nähe, Körperkontakt und Aufmerksamkeit ein. Wollte auch wieder Baby sein und versuchte ihren Willen in jeder nur denkbaren Situation durchzusetzen. Es war schwer an sie heranzukommen und oft dauerte es Minuten des Weinens, bis ich sie in den Arm nehmen durfte. In den Kindergarten ging sie in dieser Zeit unheimlich gerne. Ich hatte das Gefühl sie brauchte diesen Ort. Einen Ort, der noch genauso war wie vor der Geburt ihres Bruder. Wo sich nichts verändert hatte. Wo ihre Erzieherinnen Zeit für sie hatten. Sie spielen konnte und ihre Freunde und Freundinnen da waren. Das war nur für sie. Kein Bruder, keine Eltern.

Zeit heilt alle Wunden

Es dauerte sicherlich fünf bis sechs Wochen, bis sich all die Wut und Trauer legten. Bis sie ihren Platz wiederfand und sich sicher sein konnte, dass wir sie immer noch genauso lieben. Dass unsere Liebe einfach um einen Menschen mehr gewachsen ist.

Das was uns allen in dieser schweren Zeit am meisten geholfen hatte war Verständnis für sie zu zeigen. Zu hinterfragen woher die Wut kommt. Was der Auslöser ist und diesen zu besprechen und nach Möglichkeit zu beseitigen. Ich versuchte ihr Exklusivzeiten einzuräumen, band sie bei der Pflege ihres Bruders mit ein und zeigte ihr, dass sie immer noch wichtig ist. Auch machte ich mit ihr „besondere“ Aufgaben, wo nur sie mich unterstützen konnte. Nicht ihr Bruder. Zeigte ihr, dass es gut ist, dass sie so groß ist. Sagte ihr, dass ich es schön finde, dass sie kein Baby mehr ist und ich mich auch auf die Zeit freue, wenn ihr Bruder so viel kann wie sie.

Ich lernte in dieser Zeit ganz viel. Lernte, mich bewusster auf sie zu konzentrieren, wenn es die Zeit zuließ. Lernte, ihr ganz klar zu sagen: „jetzt ist unsere Zeit“. Lernte, zu priorisieren, wenn beide nach mir riefen und setzte mich mit dem Thema Hirarchien in einer Familie auseinander. Eine Sache, die mir besonders half klar agieren zu können. Die Bedürfnisse aller zu sehen und zu berücksichtigen. Für Struktur zu sorgen.

Alles wird gut

Heute, vier Monate später, sind all die Sorgen und Ängste passé. Die ersten Wochen nach dem Familienzuwachs waren hart. Tränenreich auf allen Seiten. Zeigten mir wie klein meine Große doch noch ist. Und ließen mich stärker mein Handeln reflektieren als zuvor. Heute, vier Monate später bin ich stärker geworden. Bin mir sicher, dass ich beiden Kindern gerecht werden kann. Habe aufgehört zu zweifeln und möchte allen sagen, die in genau solch einer Situation stecken: Ihr schafft das! Nehmt die Sorgen und Ängste ernst. Hinterfragt woher sie kommen und sucht Lösungen. Stellt, wenn nötig, eure komplette Familienstruktur auf den Kopf. Setzt alles auf Anfang und besprecht wie die Zukunft mitereinander aussehen soll. Die Zeit ist auf eurer Seite.

Corinna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.