Familie
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Elternsein

Bist du bereit dein altes Leben aufzugeben, alles hinter dir zu lassen und nochmal ganz neu anzufangen?

Diese oder eine ähnliche Frage sollte allen werdenden Eltern gestellt werden. Denn dass ein Kind Veränderungen mit sich bringt denke ich wissen alle, aber keiner weiß so wirklich was es bedeuten wird, das Elternsein. Man ist unerfahren, vielleicht ein bisschen naiv und möchte es eh anders machen als die ganzen anderen Eltern.

Von alten Gewohnheiten ablassen, offen für Neues sein, feste Pläne vergessen und am besten ohne Erwartungshaltung an Dinge rangehen. Es akzeptieren wie es ist und auch aus vermeintlich doofen Situationen das Beste machen. Das sind nur wenige Punkte die ich teilweise neu lernen musste und die den Alltag als Mutter/Eltern deutlich entspannten.

An schlechten Tagen sind wir meistens mit dran Schuld

Ich merke immer wieder, dass die Tage an denen alles „verkehrt läuft“ genau diese sind, an denen ich Pläne und Vorstellungen hatte, die nicht umsetzbar waren. Solche Tage an denen ich meinte zu wissen wann das Kind seinen Mittagsschlaf machen soll. Wo ich entscheiden wollte wann sie spielt und ich eine feste Zubettgehzeit im Kopf hatte. Tage an denen ich meine To Do’s erledigen wollte und das Kind halt „mit musste“.

Tatsächlich aber entscheidet immer das Kind wieviel, was und wann ich etwas angehen kann. Nicht weil sie mich im Griff hat, manipulieren möchte oder ihren eigenen Willen durchsetzt. Nein, einfach weil in aller erster Linie ihre Grundbedürfnisse zählen. Weil das kleine Menschlein auf der Welt ankommen muss und Zeit dafür braucht. Raum sich selbst zu entfalten, Grenzen kennen zu lernen, sich selbst zu entdecken und zu lernen. Es ist das Baby, welches neu auf dieser Welt ist und all unsere Liebe, Wärme und Nähe braucht um Sicherheit zu erlangen. Sicherheit im Umgang mit seiner Umwelt, allem Neuen und Fremden. Geborgenheit um ein Selbstvertrauen aufzubauen. Aufmerksamkeit um sich entwickeln zu können und Eltern, die seine Zeichen richtig deuten auch ohne, dass es sprechen kann.

Das erste Jahr im Leben ankommen

Das erste Lebensjahr ist in meinen Augen so unfassbar wichtig. Hier haben wir als Eltern die Chance eine optimale Basis für alles Weitere zu schaffen. Eine Ausgangslage auf der sich unser Kind optimal entfalten kann. Ein Jahr nachdem es wissen soll „meine Eltern sind immer für mich da“. Beschützt und behütet Fehler machen dürfen, auf die Nase fallen, den Kopf stoßen und immer wieder mit der Hilfe der Eltern aufstehen. Selbständig werden und das eigene Ich kennenlernen .

Ja, ich glaube im ersten Jahr muss es so sein, dass das Kind im Mittelpunkt steht und man versucht seine eigenen Pläne drumherum zu bauen. Das heißt nicht sich selbst aufzugeben, nein! Aber seinen vorherigen Egoismus ein Stück weit abzulegen und zu akzeptieren, dass jemand anderes erstmal mehr Zeit und Hilfe benötigt.

Ein bisschen mehr Gelassenheit für jeden von uns

Anfangs versuchte ich alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen, aber es hat selten geklappt. Das Ende vom Lied war eine enttäuschte und gestresste Mutter, ein weinendes Baby und ein Umfeld welches nicht wusste wie es mit der Situation umgehen soll.

Irgendwann habe ich mich damit arrangiert, dass es nicht mehr so läuft wie früher. Dass ich nicht mehr überall dabei sein kann. Dass es der Maus nicht immer gut tut rumkutschiert zu werden. Dass auch sie mal Ruhe und Zeit für sich selbst braucht. Dass wir die Tagesabläufe anders strukturieren sollten und wir uns als Team erstmal einspielen müssen.

Auch heute lasse ich mich immer noch dazu verleiten den Tagesablauf vorgeben zu wollen und werde dann schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, wenn es nicht so klappt wie gewünscht. Das ist mittlerweile aber okay. Ich weiß meine Zeit kommt wieder. Das spüre ich jetzt schon. Und ich weiß ich habe meiner Tochter immer all das gegeben was ich geben konnte. Ich war immer für sie da, konnte sie trösten, ihr Nähe geben, sie unterstützen und begleiten. Ich habe nichts was ich bereue oder anders machen würde und genau das entschädigt für alle Entbehrungen in diesem ersten Jahr.

Heute weiß ich, dass die besten Tage die sind an denen man dem Kind vertraut, dass es sich das holt was es braucht. Dass es schläft wenn es Schlaf braucht und es am besten weiß wann der Zeitpunkt dafür ist. Dass es spielt und sich austobt wie es das zur Entwicklung benötigt. Dass es die Liebe und Zuneigung einfordert, die es braucht – manchmal weniger und manchmal ununterbrochen. Dass es unsere Aufgabe als Eltern ist feinfühlig zu sein, die Grundbedürfnisse zu befriedigen und unseren Kindern Raum zu geben.

Das erste Jahr ist kein einfaches. Nicht für das Kind, nicht für die Mutter, den Vater oder die Partnerschaft. Es ist ein Lernprozess für alle, eine Zeit in der alle Verständnis aufbringen müssen und man gemeinsam an einem Strang ziehen muss. Gleichzeitig ist dieses erste Jahr aber auch wunderschön. Ereignisreich, aufregend und turbulent. Eine unvergessliche, wertvolle Zeit.

Bis bald
Corinna

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