Personal, Schwangerschaft
Schreibe einen Kommentar

Vegan in der Schwangerschaft

Und wie ernährst du dich jetzt? Kann du weiterhin vegan essen? Musst du auf besondere Dinge achten? Wie bekommst du denn alle wichtigen Nährstoffe? Was sagt deine Frauenärztin?

Diese und weitere Fragen wurden mir mit der Bekanntgabe meiner Schwangerschaft gestellt. Alles verständliche Fragen, wenn man sich mit solch einer neuen Situation konfrontiert sieht. Alles Fragen die auch ich mir im Vorfeld stellte, deren Antworten ich insgeheim aber eigentlich schon kannte.

Wie ist es denn vegan in der Schwangerschaft zu leben? Eine Frage, die ich euch heute aus meiner persönlichen Sichtweise beantworten möchte. Ganz wichtig dabei ist mir zu sagen, dass dieser Beitrag ausschließlich meine persönliche Erfahrung widerspiegelt. Jede Frau erlebt ihre Schwangerschaft unterschiedlich, verfolgt andere Ansätze und trifft andere Entscheidungen. Meine Haltung ist ganz sicher nicht für jeden passend, war für mich aber der ideale Weg. Ein Weg die Schwangerschaft in vollen Zügen genießen zu können, die eigenen Werte trotzdem nicht komplett über Bord zu werfen und sich einfach gesund und wohl zu fühlen.

Gleich zu Beginn der Schwangerschaft musste ich feststellen, dass sich mein komplettes Wertesystem zu wandeln beginn. Aufeinmal wirkte alles was bisher so leicht und klar erschien viel komplizierter, warf mehr Fragen auf und wurde wieder und wieder infrage gestellt. Aufeinmal entschied ich nicht mehr nur für mich selbst, sondern auch für ein kleines Menschenwesen, welches auf mich angewiesen ist.

Ja, ich hatte am Anfang einige Sorgen, ob ich denn das Richtige tun würde und wie ich am besten entscheiden soll. Ich wollte unbedingt weiterhin vegan leben und meinen Werten treu bleiben, merkte aber auch, dass ich das „Korsett“ etwas lockern musste. Ich wollte mir nicht vorhalten lassen, dass mein Lebensstil die Entwicklung meines Kindes beeinträchtigt und meine Entscheidungen rein egoistischer Natur sind. Was würde mein Mann davon halten, was meine Familie und Freunde und was meine Ärztin?!

Alles eine Frage der richtigen Nährstoffzufuhr

Glücklicherweise stieß ich bei allen Parteien auf Verständnis und erfuhr nirgendswo Ablehnung oder arge Skepsis. Sogar meine Ärztin war mit meiner Ernährungsweise einverstanden und wies mich lediglich auf ein paar wichtige Punkte hin (ja vielleicht sagte sie auch, dass ich mir überlegen soll Milch und Käse ab und zu zu essen, aber das überlesen wir jetzt 😛 ). Das Positive war, dass sie selbst Vegetarierin ist und meine Einstellung somit ganz gut nachvollziehen konnte. Auf Vitamin B12, Eisen und Calcium sollte ich jedoch dringend achten. Also checkte ich nochmal die Lebensmittel, die ich oft aß und änderte das ein oder andere Produkt ab bzw. nahm es öfter mit auf meine Speisekarte.

Meine tägliche Eisenzufuhr war von vornherein ziemlich gut, den Calcium Bedarf stellte ich durch mit Calcium angereicherte Pflanzendrinks sicher und aß deutlich mehr Kohlsorten, die viel Calcium enthalten. Der Vitamin B12 Bedarf wurde über meine Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere abgedeckt und ich besorgte mir eine mit Vitamin B12 angereicherte Zahnpasta, um zusätzlich aufzustocken. Der Verlauf der Schwangerschaft zeigte mir, dass ich scheinbar alles richtig zu machen schien. Meine Blutwerte waren durchweg perfekt.

Es ging mir (bis auf die ersten üblen Wochen) blendend, ich fühlte mich gesund und fit und hatte den ganzen Tag ausreichend Energie. Mein Baby wuchs vorbildlich heran, sah gesund aus und entsprach genau dem, was eine Frauenärztin bei der Untersuchung sehen möchte. Ein vollkommen gesundes Menschlein, mit allem drin und dran. Genauso wie es sein soll.

Neben dem bereits angesprochenen Nährstoffbedarf war eine gesunde und ausgewogene Ernährung natürlich auch sehr wichtig. Eine große Umstellung war dies für mich nicht, da ich bereits vorher ziemlich gesund aß. Ausnahmen gab es natürlich auch mal. Eine Pizza, Schokolade oder ein leckeres Teilchen vom Bäcker haben schließlich noch niemandem geschadet. Solange der überwiegende Teil gesund und ausgewogen ist, alles kein Ding.

Aß ich denn jetzt weiterhin vegan, oder nicht?!

Meine 100% vegane Ernährung wandelte sich. Ein Schock für jeden konsequenten Veganer – ich weiß! Das ist mir aber vollkommen wurscht, da ich feststellen musste, dass ab und zu ein paar Ausnahmen mir einfach gut getan haben. Besonders in den ersten (kotzüblen) Wochen, wo ich oft nicht viel essen konnte und irgendwie immer Hunger hatte, tat ein gutes Käsebrot wahre Wunder. Plötzlich war alles wieder in Ordnung, der Hunger verflog und mir ging es wieder gut. Auch wenn ich unterwegs war und Hunger bekam, war ich mit einer vegatarischen Alternative vollkommen zufrieden. Ohne Baby im Bauch wäre ich so lange umher geschlichen, bis ich halbwegs etwas vernünftiges, dafür aber veganes zu Essen gefunden hätte. Dies wollte ich mit Baby im Bauch nicht tun. Mir war es wichtiger mein Baby und mich satt zu machen, etwas gesundes zu essen und dafür ab und an auch mal eine vegetarische Ausnahme zu machen.

Wenn mich jemand fragen würde, dann würde ich mich zu 80% – 90% vegan in der Schwangerschaft bezeichnen. Die restlichen Prozente wurden mit vegetarischen Optionen aufgefüllt und das empfand ich als absolut richtig für mich. Dazu muss ich auch sagen, dass bei allen vegetarischen Produkten die ich Zuhause aß, ich sehr auf die Herkunft und Herstellung achtete. Wenn ich schon tierische Produkte aß, dann nur unter einigermaßen vertretbaren Bedingungen. Ganz ohne ist selbstverständlich besser, aber immerhin ein kleines bisschen drauf geachtet als gar nicht!

Das Wichtigste in der gesamten Schwangerschaft war für mich, mich stets wohl zu fühlen. Mich nicht für irgendetwas rechtfertigen zu müssen und auf mich und mein Baby zu hören. Ich bin zu 100% froh über meine Entscheidungen und kann heute – mit einem vollkommen gesunden Baby im Arm – sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Auch bei einer nächsten Schwangerschaft würde ich diesen Weg immer wieder wählen.

Die Stillzeit

Natürlich beginnt jetzt eine weitere wichtige Zeit für’s Baby – die Stillzeit. Auch hier ist es super wichtig alle Nährstoffe aufzunehmen, die das Kind braucht und es mit guter Muttermilch zu versorgen. Für diese Zeit werde ich meine vegan/vegatarische Ernährung fortsetzen. Noch etwas mehr vegetarisch als zuvor, da ich sonst echt schwer meinen zusätzlichen Kalorienbedarf decken kann und von einigen Nährstoffen noch mehr aufnehmen muss, als in der Schwangerschaft. Wie es danach weiter geht mag ich noch nicht mit vollkommener Sicherheit sagen. Mein Ziel ist es aber zu einer 100% veganen Ernährung zurück zu kommen. Solange ich nur für mich alleine entscheiden muss, wird dies immer meine erste Wahl sein.

Welche Erfahrungen habt ihr denn mit veganen Schwangerschaften? Habt ihr eventuell noch weitere Fragen, die ich euch beantworten kann? Mich würden ein paar andere Meinungen dazu ja brennend interessieren!

Bis bald ihr Lieben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.